Teil II: Beginn und Aufstieg der Volksläufe
Kuriose Anfänge in Bielefeld
Eher kurios war die Situation 1968 in Bielefeld, als der dortige Polizeisportverein im Folgejahr nach dem Leopoldstaler Auftakt damit begann, einen eigenen Volkslauf auszurichten, welcher der erste ostwestfälische Volkslauf mit einem komplettem Lauf- und Gehprogramm werden sollte. Es waren aber nicht die in Leopoldstal eher „zwangsrekrutierten“ Führungsbeamten, die teilweise Funktionen im PSV-Vorstand bekleideten, sondern wieder Schutzpolizeichef Wilfried Höfling, der „laufverrückte Alte“, welcher unmittelbar nach dem Leopoldstaler Marsch anordnete: „Sucht eine vernünftige Strecke; wir ma chen einen Volkslauf!“ Damit wurde im Frühjahr 1968 der Bielefelder Volkslauf geboren, der mit seinen Anfängen am Jagdweg trotz wenig vorteilhafter Streckenbedingungen bereits knapp 2000 Finisher zählte.
Überlegener Sieger des ersten Bielefelder Volkslaufes wurde der damals in Bielefeld studierende Deutsche Meister über 3000m-Hindernis, Hans-Werner Wogatzki.
Verlegung nach Sennestadt
Die Strecke des Bielefelder Volkslaufes, die in den ersten beiden Austragungen von der Britischen Kaserne am Jagdweg ausgehend auf den Kammweg des Teuto führte, war wegen der dort zumeist lehmigen Böden nicht ideal. Als 1972 der Landkreis Bielefeld in die Stadt Bielefeld eingemeindet wurde, nutzte der Bielefelder PSV sofort die Chance, seinen Volkslauf in Sennestadt, am überwiegend von Sandboden geprägten Südhang des Teutoburger Waldes auszutragen. Vom Sennestädter Park ausgehend wurde der Bielefelder Volkslauf zu einem der größten und bestorganisierten Volksläufe in Westfalen. Nach 25 Austragungsjahren sah sich der PSV 1993 jedoch gezwungen seinen Volkslauf einzustellen, weil man bei rückläufigen Teilnehmerzahlen die rel. hohen Kosten der aufwendigen Organisation nicht mehr ohne erhebliche Einbußen stemmen konnte. So wurden die immer häufiger entstehenden VL-Veranstaltungen und die damit verbundenen zahlreicheren Startmöglichkeiten den Bielefelder PSV-Veranstaltern zum Verhängnis, denn zurückfahren wollten diese ihr hohes Organisationsniveau verständlicherweise nicht.
Erste Folgeveranstaltungen rund um Bielefeld
Der PSV-Volkslauf fand im Nachbereich sehr schnell motivierte Nachahmer.
So wie kurz darauf der Pfingst-VL des Post –SV Bielefeld entstanden nun in kurzer Folge überall in OWL solide organisierte VL-Veranstaltungen, die für die nächsten Jahrzehnte eine blühende ostwestfälische Volkslauf-Tradition schufen.
Die Sportfreunde Sennestadt veranstalteten nur einmal
Die Sportfreunde Sennestadt ließen sich spontan vom Volkslaufgedanken mitreißen, Schließlich hatten sie mit ihrem Parkgelände an der Travestraße ideale Zugangsmöglichkeiten zum gut zu belaufenden Windelschen Forst im Teutoburger Wald. Doch nach bereits einer Veranstaltung gaben die Sennstädter weitere VL-Aktivitäten auf.
Die Friedrichsdorfer hielten lange durch
Ebenfalls noch in den sechziger Jahren stellten die Friedrichsdorfer einen beliebten Volkslauf mit schneller Flachstrecke auf die Beine, den sie fast bis zur Jahrhundertwende durchhielten.