Teil II: Beginn und Aufstieg der Volksläufe
Die Briten im ostwestfälischen Volkslauf
Die nach dem Krieg in Ostwestfalen stationierten Briten knüpften trotz aller anfänglich bestehender Fraternisierungsverbote recht bald Kontakte zu deutschen Sportlern. Das geschah vor allem in der laufsportlichen Szene, wo die Britischen Streitkräfte alljährlich eine als Westfalian League bezeichnete Serie im Mannschafts-Crosslauf austrugen. Zur dieser luden sie bereits in den fünfziger und sechziger Jahren lokale deutsche Langstreckler ein. Diese antworteten durch Einladungen zu deutschen Wald- und Stadionläufen. So kam es, dass schon bald die ersten Briten in deutsche Leichtathletik-Vereinen eintraten und sich damit sportlich wie freundschaftlich in den ostwestfälischen Laufsport integrierten. Das fand eindrucksvolle Höhepunkte beim Hermannslauf, in dem britische Läufer bis zur deutschen Wiedervereinigung fast ausnahmslos in der Spitze platziert waren und insgesamt sechs mal den Sieger stellten. Auch der Krebshilfe-Marathon, den das Bielefelder 1. Corps mitveranstaltete (siehe Kapitel „Der Bielefelder Krebshilfe-Marathon“) verbleibt als ein imponierender Meilenstein in der ostwestfälischen Laufsportgeschichte. Über zehn Jahrevon 1982 bis 1993 war das britische 1. Corps Vehicle Coy in die Organisation des Hermannslaufes integriert, wo es die Verpflegungsstation am Eisernen Anton betreute.
Als prominentester britischen Läufer ist sicherlich Adrian Philpott zu nennen, der 1984 mit 1:43:21 Std einen Streckenrekord des „Hermann“ erzielte, der bis ins Jahr 2002 bestand. Aber auch weitere britische Top-Runner wie Richard Tinlin, Chris Hurst, Bil Cain, Tony Marshall und Stephen Roberts sowie maßgebliche britische Organisatoren wie David Pinder, Colin Dickson und Tony Farrow waren prägend für die Geschichte des ostwestfälischen Laufsportes.
Einige ehemalige Army-Angehörige sind hier im Land geblieben und als allgemein beliebte Läufer in deutschen Vereinen alt geworden.
Ein einmaliges ostwestfälisches Marathon-Großereignis