Teil II: Beginn und Aufstieg der Volksläufe
Der Wasalauf stand Pate
Wie es zum Hermannslauf kam
Sechs Bielefelder Skilangläufer, die 1971 am Wasalauf in Schweden teilgenommen hatten, diskutierten bei der Rückfahrt auf der Ostseefähre über die außergewöhnliche Faszination des damals weltweit bedeuteten Wasalaufes. Auf einmal stand der Gedanke im Raum:
„Es ist die erkennbar lange Landschaftslauf-Distanz, die fasziniert! So etwas machen wir auch bei uns daheim. Wir rennen von Bielefeld zum Hermann.“ Doch schon beim ersten Testlauf über den 30 Kilometer langen Kammweg zum(!) „Hermann“ gab es beim steilen Schlussanstieg einen argen Dämpfer für die recht gut trainierten Skilangläufer:
„Da kommen wir ja kaum noch hoch, dass können wir doch unseren Volksläufern nicht zumuten.“ Kurzerhand beschloss man, anders herum zu laufen: Vom Hermann zur Sparrenburg. Damit war der Hermannslauf in seiner noch heute bestehenden Organisationsform geboren.
Doch vor dem ersten Startschuss zum Hermannslauf galt es, viel Skepsis, beim Fachverband, bei den Behörden und selbst im eigenen Verein, dem Bielefelder Skiclub, war zu überwinden. Viel Überzeugungsarbeit musste mit viel Herzblut und Opferbereitschaft getan werden. Letztlich übernahmen die beiden Hauptinitiatoren Dr. Wolfgang Schlüter und Peter Gehrmann persönlich die riskante finanzielle Verantwortung für das „Wagnis Hermannslauf.“
Soldaten leisteten wertvolle Hilfe
Der damalige Kommandeur des Augustdorfer Panzeraufklärungsbataillons 7, Oberstleutnant v. Mellenthin, leistete durch den Einsatz seiner Soldaten für die Sicherung der Startphase und beim Streckendienst wertvolle Hilfe. Auf vielerlei Weise wurden immer wieder die Werbetrommeln für das außergewöhnliche Laufunternehmen gerührt. So kam es, dass nach 600 Voranmeldungen am Morgen des 16. 4. 1972 rund 800 Hermannsläufer am Sockel des Denkmals zum ersten Hermannslaufstart bereitstanden. Nach geglücktem wie organisatorisch fehlerfreien Auftakt vergrößerte sich das Starterfeld des Hermannslaufes in den nächsten vier Jahren bis auf 2000 Starter.
Der „Hermann“ wird Kultlauf
Der Versuch, den organisatorisch rasant anwachsenden Hermannslauf in eine gemeinnützige, freie Aktion umzuwandeln, scheiterte. Nach 15 Austragungen ging der Hermannslauf vom Bielefelder Skiclub zum TSVE Bielefeld über. Hier erfuhr er unter der anfänglichen Regie von Günter Entgelmeier noch einmal einen starken Schub an Größe und Popularität. Wieder waren es aktive Läufer, die sich mit viel Herzblut dem Hermannslauf widmeten. Sie wollten den „Hermann“ weiterführen, aber sie wollten ihn auch als Läufer miterleben. Also lösten sich die maßgeblichen neuen Träger der Organisation Jahr für Jahr einander ab, was bedeutete: Ein Team organisiert und das Parallelteam läuft. So blieb der „Hermann“ getreu seinem Gründungsgedanken trotz hoher Teilnehmerzahlen ein persönlichsportlicher Lauf.
Wolfgang Schlüter wird Schirmherr
Die Starterzahlen des Hermanslaufes stiegen von Jahr zu Jahr. Wolfgang Schlüter übernahm als Mitbegründer des Hermannslaufes dessen Schirmherrschaft und gab bis zu seinem Tod alljährlich den Startschuss zum immer populärer werdenden Regionalereignis „Hermann“ ab.
Organisatorische Veränderungen
Wegen der weiter steigenden Teilnehmerzahlen wurden im Laufe der Zeit organisatorische Veränderungen erforderlich, welche meistens den Streckenverlauf betrafen. Die immer weiter anwachsenden Starterzahlen machten letztlich ein Teilnehmerlimit erforderlich, welches mit seinen 7000 Startplätzen alljährlich bereits in kurzer Zeit ausgebucht ist.
Erfolgsära Rudi Ostermann
Neue Organisatoren brachten sich positiv ein, von denen vor allem der 30 Jahre lang in der Organisation maßgeblich tonangebende Rudi Ostermann als selbst passionierter Läufer wie auch der LA-Wart des TSVE, Matthäus Gruben, entscheidend dafür ursächlich waren, dass der „Hermann“ trotz seines Anwachsens zum Laufriesen ein wohltuend persönlicher Lauf „zum Anfassen von Läufern für Läufer“ blieb.
Aufstieg zum anerkannten Gesellschaftsereignis in Ostwestfalen
Unter der Gesamtleitung von Almuth Stief entwickelte sich der Hermannslauf in den letzten Jahren auch über das Sportliche hinaus zunehmend mehr zu einem alljährlichen gesellschaftlichen Höhepunkt in der Region. Dieser stellt sich alljährlich in einem monatelangen regelrechten „Hermannslauf-Fieber“ bei Läufern wie auch Nichtläufern dar, dessen Abklingen man kaum voraussagen kann. Aktuell gehört der„Hermann“ zu den prominentesten wie beliebtesten deutschen Landschaftsläufen.