Teil I
Der Paderborner Osterlauf
in seinen Wiederanfängen nach dem Krieg
Straßenläufe gab es in den Nachkriegsjahren in Deutschland relativ selten. So ist es bezeichnend für die Region Ostwestfalen, dass damals in Paderborn ein Straßenlauf entstand, als noch längst nicht alle Trümmer des gerade überstandenen Bombenkrieges fortgeräumt waren.
Bereits zum Osterfest 1947, als der Schutt sich noch auf den Innenstadtstraßen Paderborns türmte, rief man eine Laufserie neu ins Leben, die bereits vor dem Krieg als Staffellauf um Paderborn begonnen hatte. Das erstmals nun „Osterlauf“ genannte Einzelrennen führte in einer 3.3 Kilometer langen Runde über die Promenade um die historischen Stadtwälle der Domstadt Der Lauf wurde bei den kriegsgebeutelten Paderbornern auf Anhieb ein großer Renner und entsprechend schnell in der Region und darüber hinaus bekannt. So erweiterte man den Rundlauf um die Stadtwälle bereits nach seiner dritten Auflage 1948 auf ein fünf Runden-Rennen, welches der damals sehr bekannte Meisterläufer Jupp Legge vom VfL Bochum für sich entschied. Der Fachverband forderte als Veranstaltungsgebühr eine Zahlung von 20 Mark und drohte bei Nichtzahlung, den Osterlauf zu streichen.
In den Folgejahren wurde der Osterlauf durch eine 20-km Runde vom Inselbad-Stadion aus in die Senne und zurück deutlich länger.
Vor allem durch die zuverlässige wie solide Organisation der Paderborner wurde der Deutsche Leichtathletikverband auf die Veranstaltung aufmerksam und vergab die Marathon-Qualifikation für die Olympischen Spiele 1952 in die Paderstadt. Einmalig führte daher der Paderborner Osterlauf über 30 Kilometer bis zum Marktplatz nach Delbrück und zurück.
Mit den Jahren spielte sich der Osterlauf als ein international anerkannter 25 km-Straßenlauf durch die Senne ein. Zusätzlich veranstaltete man einen 5000m-Bahnlauf für Männer und 3000m für Jugendläufer. Für die Frauen war ein 800m-Lauf ausgeschrieben, den die prominente Paderbornerin Edith Schiller mehrmals gewann. Für jeden trainierenden Paderborner Läufer, der etwas auf sich hielt, war es in diesen Jahren einfach ein Muss, hier e dabei zu sein und einigermaßen ehrbar zu bestehen – sei es auf den Stadiondistanzen oder auf der 25-km Osterlaufstrecke durch die Senne.
Der Veranstalter des Paderborner Osterlaufes war schon damals der SC Grün-Weiß Paderborn, dessen charismatischer Vorsitzender Hans Wienold wie auch der „urwüchsigbärige“ Heinrich Vockel sich um den weiteren Aufstieg des Osterlaufes sehr verdient machten.