Teil I
Kuriose Kategorien
Die Funktionsträger in den Leichtathletikverbänden hatten fix wie auch sachgerecht auf das Enteilen der trainierten Leistungsspitze reagiert und besondere Rahmenklassen (Sonderkategorien) im Meisterschaftsprogramm geschaffen. Auf diese Weise wurde dem sicherlich verständlichen Frust, gegen die speziell trainierten „Profis“ keine Chance zu haben, mit durchaus sichtbarem Erfolg entgegengewirkt. So kam es, dass in diesen Jahren die Hauptklassen bei den Kreiswaldlaufmeisterschaften immer spärlicher besetzt waren, während dagegen die Sonderkategorien aus allen Nähten platzten.
Allerdings kam es dabei zu den mannigfaltigsten Klassifizierungen und entsprechenden Wortschöpfungen. So gab es damals neben der noch verständlichen Anfängerklasse die „Erstlinge“ und für die Fuß- und Handballer die sogenannte „Spielerklasse“. Bei den Meisterschaften der Polizei in NRW hatte man zusätzlich noch eine Kategorie für Kraftfahrer, Sanitäter und vom Außendienst befreite Innendienstler geschaffen. Da musste man tatsächlich nachweisen, dass man ein „reinrassiger Bürohengst“ war. Die Läuferfelder in den Meisterschaftsklassen der Frühjahrswaldläufe wurden zunehmend elitärer, aber auch kleiner. Wenige speziellen Leichtathletikvereine beherrschten die Szene. Wer sich von außerhalb mal versuchen wollte, machte dabei meistens den Letzten. Also tummelte man sich in den vollbesetzten „Sonderkategorien“.
Allgemeines Interesse für den Laufsport war zweifellos immer noch vorhanden und drückte sich u. a. in den hohen Zuschauerzahlen bei regionalen Meisterschaften aus.
Doch, wenn auch die Frühjahrswaldlaufmeisterschaften in den ostwestfälischen Kreisen durch die stark besetzte Sonderkategorien nach wie vor imposante und gut besetzte Sportereignisse blieben, war das für eine solide Entwicklung im lokalen Laufsporteinfach zu wenig. Frischer Wind in den Stadien und Laufstrecken war nicht nur in OWL notwendig.