Teil II: Beginn und Aufstieg der Volksläufe
Die Geburt der nächtlichen Stadtläufe
Als Pionierveranstaltung für die Stadtläufe gilt die „Nacht von Borgholzhausen“, die mit ihrer einzigartigen Stimmung sehr schnell bundesweite Berühmtheit erlangte.
„Eine super Idee“, freuten sich die ostwestfälischen Läufer im Sommer 1976, als aus dem nahe gelegenen Lebkuchen-Städtchen Borgholzhausen die Ankündigung eines nächtlichen Straßenlaufes kam. Die Funktionsträger des Fachverbandes sahen allerdings die ehrgeizige Idee des streitbaren Borgholzhausener Organisators Friedhelm Boschulte weniger euphorisch und traten eher auf die Bremse als die Werbetrommel zu rühren. Doch die Skepsis der Funktionäre blieb unbegründet. Es kam zu einem stimmungsvollen wie sportlich rasanten Nachtlauf über zehn englische Meilen durchs idyllische Lebkuchenstädtchen Borgholzhausen.
Bundesweite Popularität
Schnell wurde die „Nacht von Borgholzhausen“ zu einer bundesweiten Institution, welche die Popularität des Laufsportes vom bereits blühenden Volkslaufgedanken in weitere Höhen katapultierte.
Prominente Spitzenläufer dieser Zeit, wie der spätere ZdF-Sportchef Wolf Dieter Poschmann trugen sich in die Siegerliste der „Nacht“ ein, wie man das Event in Insiderkreisen bald nannte. EM- Bronzemedaillengewinner Herbert Steffny rannte dort mit 46:33 Min einen Deutschen Rekord über zehn englische Meilen.
Bald entdeckten die nach Europa drängenden Läufer aus Afrika die prestigebringende Startmöglichkeit im Teutoburger Wald und fanden sich in zunehmender Zahl am Start in Borgholzhausen ein. Doch die Popularität der Afrikaner nahm durch deren Häufigkeit am Start der „Nacht“ bald ab, und so ging deren besondere Ruf allmählich zurück. Ferner kopierte man allerorts die Nachtlaufidee, was eine Art diesbezügliche Inflation mit sich brachte.